Das Impfcheck-Interview (1): So schützt du dich und andere

Hallo Frieda, du bist 35 Jahre jung und promovierte Biologin. Erklärst du mir und unseren Lesern ein bisschen genauer, warum das Thema „Impfen“ immer wieder für Diskussionen sorgt?

Gerne, es gibt unterschiedliche Gründe dafür.

Die WELT schrieb im März 2016 dass man manche Krankheiten, wie z. B. Masern, ausrotten könnte, wenn mehr als 95 Prozent der Bevölkerung geimpft seien. In Deutschland seien aber nur 93 Prozent geimpft, womit Deutschland als Problemland bezeichnet wird.

93 Prozent hört sich doch viel an, warum sind wir ein Problemland?

Prinzipiell sind 93 Prozent nicht wenig, aber um eine Krankheit wirklich ausrotten zu können, sollten es 95 Prozent sein. Und je mehr Menschen geimpft sind, desto besser ist auch der sogenannte Herdenschutz.

Was ist denn der Herdenschutz?

Herdenschutz heißt, der Schutz durch die Gruppe. Es bedeutet, dass die Menschen um einen herum durch Impfung vor der Krankheit geschützt sind und sie so nicht übertragen können. Das ist besonders wichtig für Leute, die nicht geimpft werden dürfen oder können, wie z. B. chronisch Kranke, Kleinkinder oder Menschen, die Probleme mit dem Immunsystem haben.

Das heißt, diese Leute könnten sich mit Masern anstecken, weil nur 93 Prozent geimpft sind. Was wäre denn die schlimmste Folge dieser Ansteckung?

Im Falle der Masern ist das Schlimmste, dass man an Komplikationen bei einer Maserninfektion stirbt. Das kommt selten vor, aber es passiert. In ca. 20 Prozent der Fälle ist eine Maserninfektion so schlimm, dass man ins Krankenhaus muss. Mit Fieber, Fieberkrämpfen, Halsschmerzen, Kopfschmerzen und diesem unangenehmen Ausschlag. Dann kann es noch zu Spätfolgen kommen, wenn die Maserninfektion selbst schon lange vorbei ist. So eine Spätfolge ist das so genannte SSPE. Dabei mutieren die Masernviren im Körper Jahre nach der Infektion und es kommt es zu einer Entzündung im Gehirn. Das Gehirn wird dabei langsam zerstört. In diesem Fall stirbt der Patient unausweichlich.

Wie kann ich mir so einen schlimmen Fall vorstellen?

Ich habe von einem Mädchen gelesen, das sich als Baby infiziert hatte bevor es geimpft werden konnte. Die Spätfolgen der Masern-Infektion kamen erst heraus, da war das Mädchen schon fünf oder sechs. Die Eltern haben gemerkt, dass ihre Tochter immer weiter abbaut, anstatt sich normal weiter zu entwickeln. Erst hatte sie Koordinationsprobleme, ist gestürzt, hat ständig Sachen vergessen, dann hat sie das Sprechen und Laufen verlernt. Sie saß im Rollstuhl, musste rund um die Uhr versorgt werden. Irgendwann ist sie tatsächlich an den Spätfolgen gestorben. Für SSPE gibt es keine Heilung.

Warum gibt es trotz dieser Erkenntnisse immer noch Menschen, die sich und ihre Kinder nicht impfen lassen?

Es gibt verschiedene Gründe, ein Grund ist die „Ökowelle“. Eltern haben die Einstellung, dass ihre Kinder möglichst natürlich aufwachsen sollen. Es ist eine Abwehrhaltung der klassischen Medizin gegenüber. Diese Eltern glauben auch, dass es gut für die Entwicklung des Kindes ist, wenn Kinder Krankheiten durchmachen, anstatt sich dagegen impfen zu lassen. Leider ist das ein gefährlicher Irrglaube. Bei Kindern sind die Abwehrkräfte bis zu drei Jahren nach einer Maserninfektion geschwächt, so dass sie sich leichter andere Infektionskrankheiten einfangen können.

Eltern haben außerdem Angst vor den Inhaltsstoffen einer Impfung. Fakt ist aber, dass alle Impfungen, die man beim Arzt bekommt, ausgiebig auf ihre Verträglichkeit überprüft wurden.

Außerdem sind verschiedene Mythen und Verschwörungstheorien im Umlauf, warum das Impfen schädlich sein soll. Um sich seriös über das Thema Impfen zu informieren, gibt es aber auch ausgezeichnete Homepages. Wer sich für das Thema Impfen und Infektionskrankheiten interessiert, dem kann ich die Seite vom Robert Koch Institut wärmstens empfehlen.

Letztlich ist es richtig, dass jeder Impfstoff genau wie jedes Medikament seine Nebenwirkungen haben kann. Das wird aber von den Ärzten auch nicht unter den Tisch gekehrt. Wenn man sich impfen lässt, wird man über die möglichen Nebenwirkungen aufgeklärt. Aber am Ende nützt es definitiv mehr, als dass es schadet.

 

Bild Frieda1

„Impfen ist super wichtig. Weil der Impfschutz in der Vergangenheit funktioniert hat, sind manche Krankheiten heute vergessen. Es ist wichtig, dass es so bleibt.“

Frieda
35 Jahre, promovierte Biologin